Geschichte Hotel „Goldenes Rössl“

Zwischen Krausplatz und dem unteren Platz gelegen, blickt das Hotel Cavallino d’Oro auf eine 700-jährige, ereignisreiche Geschichte zurück. Diese ist eng mit der Geschichte Kastelruths verwoben und sei hier kurz zusammengefasst:

Die Anfänge

(1300 – 1500)

Die Ursprünge unseres Hauses lassen sich bis ins Jahr 1326 zurückverfolgen. In dieser Zeit ist Kastelruth ländlich geprägt. Einige adelige Grundbesitzer, unter ihnen der berühmte Minnesänger Oswald von Wolkenstein (1377 – 1445), ihnen zinspflichtige Bauern sowie Tagelöhner und Handwerker siedeln hier umgeben von Feldern, Wiesen und Wäldern. Als Hofstelle "Sallern" steht das spätere Goldene Rössl da bereits mitten im Ort. Seine Bewohner sind freie Bauern und als (Erb)pächter der Familie zu Sallern zu Zinszahlungen verpflichtet.

Der Wandel

(1500 – 1700)

Unter der Herrschaft der Familien zu Wolkenstein und Kraus von Sala hat sich die Gesellschaft im Ort gewandelt und ist die Zahl an Gewerbstreibenden und Handwerkern stark gewachsen. Unter ihnen wird nun erstmals auch das Rössl als "Gasthaus am Kreuze" angeführt. Es ist in erster Linie ein Wirtshaus (Steuerlisten aus jenen Jahren vermerken einen auffallend hohen Weinverschleiß...), jedoch mieten sich hier auch Tagewerker ein, die auf den umliegenden Höfen und Gewerben ihren Dienst verrichten.

Der Aufschwung

(1700 – 1850)

Um 1720 verzeichnet Kastelruth einen starken Anstieg sowohl der Knechte, die die großen Ackerflächen bebauen, als auch anderer Gewerbe wie Bauhandwerker, Schneider und Müller. Ein Großteil der Bevölkerung lebt jedoch weiter in ärmlichen Verhältnissen. 1728 muss zur Steuerung einer "Bettlerplage" eine eigene Aufsichtsperson bestellt werden.

Die Wirtshäuser im Ort aber profitieren von der gewachsenen Kundschaft. Das "Rössl" wechselt mehrmals den Besitzer bis es 1854 von Paul Prossliner, Inhaber des Bad Ratzes bei Seis, gekauft wird. Die Badeanstalt war bereits 1723 errichtet worden und hatte dem Fremdenverkehr in Kastelruth einen ersten zaghaften Anstoß gegeben.

Der Dorfplatz und sein Kirchturm

Als eines der ersten Häuser am Dorfplatz von Kastelruth ist die Geschichte des "Rössls" eng mit diesem Ort verbunden. Ein verheerender Brand beschädigt 1753 Kirche, Turm und 23 umliegende Gebäude, einschließlich des Rössls, schwer. Während die Kirche, die damals noch am Turm hing, behelfsmäßig repariert wurde, musste der Turm neu errichtet werden.

Der imposante Bau, der heute noch direkt vor dem Hotel steht, wurde 1780 fertiggestellt, was die Gemeindekassen aber auf Jahrzehnte erschöpfte. Erst 1849 wurde daher die heutige, vom Glockenturm getrennte, Kirche neu errichtet, die alte Kirche abgerissen und der gewonnene Platz zwischen Turm und Kirche zum neuen Dorfplatz (Krausplatz) und somit zum Herzen von Kastelruth.


Kurios: Noch um 1750 gab es in Kastelruth einen Ort für das Höchstgericht (Galgen) und vor dem Glockenturm stand ein Pranger als mildere Form der Bestrafung. Als das Feuer auch diesen in Rauch aufgehen ließ, war er "zum Schrecken der Übeltäter und schlimmen Leute" als erstes wiedererrichtet worden.

Der Fremde

(1850 – 1950)

Bis 1887 gab es in Kastelruth keine Straße ins Eisacktal und somit zur Straße und Eisenbahn über den Brenner. Erst 1887 wird die Straße von Waidbruck nach Kastelruth gebaut und erstmals eine tägliche Pferdepost eingerichtet Foto Buch S. 89. Kastelruth ist zu dieser Zeit noch stark ländlich geprägt und verkauft sogar Getreide auf den Bozner Wochenmärkten, jedoch wächst mit der leichteren Erreichbarkeit auch die Fremdenzahl erheblich.

Das "Goldene Rössl" und andere Gewerbe erleben neuen Aufschwung. Waren 1880 die "Fremden" in Seis und Kastelruth noch fast ausschließlich Bozner, die hier die Sommerfrische genossen, erschloss der Straßenbau das Gebiet für einen größeren Kreis von Touristen, sodass 1905 sogar der König von Sachsen hier abstieg.

Als Winterdestination erlangt die Seiser Alm durch Langlaufwettbewerbe Ende des 19. Jh. Bekanntheit und verhilft die 1903 von Dr. Alois Mayer errichtete "Kurpension Kastelruth" (heute Hotel Villa Kastelruth), Kastelruth zu Bekanntheit als Höhenluftkurort.


Weniger begeistert über den Fremdenverkehr zeigt sich lediglich der Pfarrer, der sich ob des "Indifferentismus" der Fremden der Kirche gegenüber sorgt und hinsichtlich der neuen Zufahrtsstraße in die Pfarrchronik den Zweifel einträgt "ob sie auch hinsichtlich des Seelenheils profitabel sei".

Die Moderne

(1950 – heute)

Zwei Weltkriege und die dazwischenliegende Krisenzeit unterbrechen jäh die kräftige Entwicklung des Fremdenverkehrs in Kastelruth. Auch die Erbauung der Seiser Alm Straße (1937) und die Schaffung der Seilbahn St. Ulrich – Seiser Alm (1935) vermögen dies nicht zu ändern.

In den 1950iger Jahren, mit aufkommender Motorisierung und besserer Erreichbarkeit, kommt es aber zu neuem Aufschwung und entwickeln sich Kastelruth und die Seiser Alm zu einem der wichtigsten Tourismusdestinationen der Alpen.

Tüchtige Familien bringen den Ort zu großem Ruhm und so erwirbt 1956 Familie Rainer / Urthaler das "Rössl", renoviert es liebevoll und führt es bis 2020 mit viel Leidenschaft.

2020 nimmt Familie Demetz die Zügel des Rössls in die Hand.